… so kann er was erzählen. Wie im vorherigen Beitrag angedeutet ist unser Anlegemanöver in Schilksee etwas aus dem Ruder gelaufen. Aber erstmal der Reihe nach (auch für Nicht-Segler):
Ein Anlegemanöver ist ein seemännisches Manöver, bei dem ein Wasserfahrzeug einen Liegeplatz ansteuert, um dort festzumachen. Das Manöver unterteilt sich in drei Phasen. Nach der Planung, in die Überlegungen zur Anlegestelle, dem Wind, der Strömung und eventueller Fremdhilfe einfließen, geschieht die geordnete und gegebenenfalls geleitete Ausführung des Manövers. Zuletzt wird das eigentliche Festmachen durchgeführt (geklaut bei Wikipedia).
Soweit, so gut. Wir hatten bei Einfahrt in die enge Gasse alle Vorbereitungen zum Anlegen abgeschlossen und waren bereit. Leider war kein Liegeplatz frei und wir wendeten unsere 13 m. Beim Einlegen des Rückwärtsgangs knallt es plötzlich. Carsten, am Ruder hört es deutlich. Ich, auf dem Vorschiff bekomme es nur leise mit. Ich höre nur „Motorsusfall. Kann kein Gas geben und nicht rückwärts, nicht stoppen! Fender Backbord!“. Ich reagiere: hänge die Fender um, pfeife einem Entgegenkommer entgegen, der die Situation nicht mitbekommen hat. Glücklicherweise reicht der letzte Schub noch um den Sturmvogel in Fahrtrichtung zu manövrieren und nicht quer zwischen den Dalben zu landen. Schlecht ist der böiger Wind, welcher uns nun mit ordentlich Schub voran schiebt. Schnell stehen helfende Hände am nächstgelegenen Steg. Fender, Leinen alles vorbereitet: mit viel Fahrt voraus Richtung Steg – blöder Wind! Carsten kann uns zum Glück abbremsen: achtern Leine raus, um eine Klampe an einem längsseits am Steg liegenden Boot, zum Glück erwischt. Der Rest läuft wie am Schnürchen. Erstmal fest!
Schadensbegutachtung: Motor erstmal ausstellen, Bodenbretter hoch. Schnell ist der Verursacher schon mal eingegrenzt. Die Bilge (tiefster, zugängiger Bereich im Schiffsrumpf oberhalb des Kiels) ist gefüllt mit Hydrauliköl. Das gehört da nicht hin! Wir haben einen hydraulischen Antrieb (der Motor vom Sturmvogel wurde in den 70er Jahren als aktiver Ballast kurz hinterm Mast positioniert – Regattasegler ;-)) und offensichtlich ein Problem. Schnell ein paar leere Kanister organisieren und abpumpen. Glücklicherweise war die Menge so gering, dass unsere automatische Bilgepumpe nicht angesprungen ist (dies wäre sonst direkt Aussenboards gelandet- Umweltschaden!). Riesensauerei ist dies trotzdem. Alles voller Hydrauliköl. Nach erster, grober Reinigung kommt ein defekter Hydraulikschlauch zutage. Anscheinend hat sich der Schlauch so ungünstig positioniert, dass er sich über die lange Fahrt (100 km Nord-Ostsee Kanal?) an einer eisernen Bodenwrange aufgerieben hat. Da haben wir wohl nicht richtig aufgepasst. Anders ist das nicht zu erklären. Glücklicherweise nur unser Schaden. Jetzt erstmal schauen, wie wir uns organisieren. Der Urlaub ist ja erst angefangen und wir nehmen es relativ gelassen. Immerhin sind wir noch in Deutschland und haben hier in Kiel eine ganz gute Logistik. Eine kleine Herausforderung, die auf Langfahrt, in abgelegenen Orten sicher herausfordernder wäre 😉 ein kleiner Test sozusagen.
