Nicht vorgesehen

… war der dieser, vorerst letzte, Beitrag unserer kleinen Auszeit. Wir drehen kurz vor Søby ab: Kurs Kieler Förde. Uns erreicht eine Nachricht die jegliches weiterreisen vorerst beendet und wir nutzen den noch vorhandenen Wind um schnellstmöglich Richtung Heimat zu gelangen. Und so segeln wir an diesem Tag insgesamt 70 sm und erreichen Schilksee gegen Mitternacht. Die nächsten zwei Tage sollen die vorerst heissesten mit 38 Grad werden. Wir springen am nächsten Morgen noch einmal in die Ostsee und nehmen Kurs zum NOK. Glücklicherweise müssen wir nicht lange vor der Schleuse Kiel Kreise drehen. Weiter geht es mit kurzem Zwischenstop zum abkühlen in den Flemhuder See und für die Nacht zur Gieselau Schleuse. Hier erwarten uns doch tatsächlich die ersten Mücken dieser Reise überhaupt! Am nächsten morgen geht es früh weiter nach Brunsbüttel. Kurzer Stop und Familientreffen. Am Nachmittag starten wir dann bei Niedrigwasser zur letzten Etappe – zurück nach Hause. Wir schleusen erfreulicherweise wieder schnell und dieses mal komplett alleine, rollen auf der Elbe nur die Genua aus und rauschen mit auflaufend Wasser und frischem Westwind die 15 sm in unseren Heimathafen.

Die nächsten Wochen wird es hier etwas ruhiger. Aber: unsere Reise wird weitergehen und dann nehmen wir alle die möchten wieder mit.

Dyvig Badhotel

… ist unser nächster Stop. Wir treffen Freunde in Middelfahrt und verbringen zwei gemeinsame Tage vor Anker. In der ersten Nacht entscheiden wir uns spontan den Hafen in Middelfahrt zu verlassen und zusammen mit der “Esmeralda“ vor Middelfahrt zu ankern. Es wird ein fröhlicher Abend – ist es doch auch schön einmal wieder bekannte Gesichter zu sehen. Am nächsten Tag segeln wir bei besten Bedingungen gemeinsam etwa 30 sm nach Dyvig in den Als Sund und ankern vor dem wunderschönen Dyvig Badhotel. Ankerlieger zahlen beim anlanden mit ihrem Dinghy 5€ – was wir völlig in Ordnung finden. Immerhin können wir auch WC nutzen und Müll entsorgen. Bei so günstigen Übernachtungspreisen der letzten Abende gönnen wir uns ein Abendessen im edlen Badhotel. Wir können absolut empfehlen: der Service und das Essen waren das Geld wert. Absolute Empfehlung: der Irish Coffee. Nie einen so guten erhalten! Wer hier einmal herkommt: zu empfehlen ist übrigens der kleine Hafen Mjels Vig. Einfach nach der engen Einfahrt nach Dyvig rechts der Betonnung folgen. Hier gibt es Morgens die schönsten Brötchentüten (wenn man denn bei der netten Hafenmeisterin Brötchen bestellt)- einfach mal ausprobieren. Im Ort gibt es eine Brauerei. Leider hatten wir bei unseren letzten Besuchen nie Glück und haben uns immer die Nase gestossen. Von hier aus kann man auch wunderbar nach Dyvig spazieren. Am nächsten morgen trennen sich unsere Wege. Die “Esmeralda“ muss leider zurück nach Kappeln und wir planen die nächsten warmen Tage in der dänischen Südsee zu verbringen. Es soll ja sehr heiss werden …

Sechs Wochen unterwegs

… und die Reise geht weiter südwärts. Wir verlassen Anholt natürlich nicht ohne den eigens auf Anholt produzierten Gin zu probieren und auch nicht ohne einen Sundowner am letzten Abend in der Orakel-Bar zu geniessen. Beides können wir empfehlen. Sicher, am Strand zu sitzen und die Sonne untergehen zu sehen geht auch einige Meter abseits hervorragend. Allerdings sollte man sich die Atmosphäre in der Bar auf jeden Fall einmal gönnen.

Wir starten auf Anholt am späteren Vormittag und segeln die 52 sm in die Ebeltoft Vig wo wir vor Mols Bjerge für 2 Nächte ankern. Anfangs begleitet uns noch eine ordentliche Welle, wir kommen aber bei durchschnittlichen 10 Knoten Wind und viel Sonne gut voran. So macht segeln Spass. Wir geniessen absolute Ruhe auf unserem Ankerplatz. Herrlich nach einer Woche Dauerwind im Hafen. Wir baden, leider nicht ganz unbefangen. Die gesamte Reise über begleiten uns in diesem Jahr extrem viele Feuerquallen. So geht immer einer nach dem anderen schwimmen. Einer hält immer Ausschau nach den bösen “Gelben Haarquallen“. Sie sind wunderschön aber eine Berührung mit den Tentakeln (welche bis zu 30m! lang werden können) möchten wir doch vermeiden.

Weiter gehtˋs südwärts: wir haben zwar noch ausreichend Zeit aber auch die Rückreise gehört bei uns zur kleinen Auszeit dazu und so segeln wir 42 sm weiter zur Insel Samsø. Vom Hafen Kolby Käs wurde uns abgeraten, wir steuern diesen aus praktischen Gründen dennoch an und sind sehr zufrieden. Sicherlich nicht der schönste Ort aber er bietet uns alles was wir benötigen. Es gibt sogar eine Brotkiste, einen Gemüsestand und frische Erdbeeren. Wer länger bleiben möchte kann sich hier sogar ein Auto ausleihen oder ergattert eines von den vorhandenen Fahrrädern. Es ist auf jeden Fall ein sehr ruhiger Platz ohne viel Trubel. Beim ersten Landgang stossen wir am verlassen Parkplatz (ehemaliger Fähranleger) auf einen kleinen Food-Truck. Wir freuen uns schon auf einfache Pommes nach der langen Fahrt und werden überrascht: keine Imbiss-Bude! Hier, am verlassenen Ort steht ein kleiner “Gourmet“ Wagen. Es gibt 4 Gerichte zur Auswahl inklusiver kleiner Weinauswahl. Kurzentschlossen bestellen wir uns Krabbekløer – Knieper. Das sind die Scheren des Taschenkrebses. Unglaublich lecker, mit frischem Brot, Salat und Aioli geniessen wir. Und das nicht alleine: es hat sich anscheinend herumgesprochen das es hier solche Delikatessen gibt. So sitzen wir zwischen Dänen, welche sich hübsch aufgemacht auf diesen Parkplatz treffen, um auf einfachen Holzbänken sitzend einen schönen Abend zu haben. Alleine das wäre uns die Reise hierher wert. Am Abend hatten wir leider keinen Fotoapparat dabei – am nächsten Morgen haben wir es aber noch einmal festgehalten.

Die Vorhersagen für die nächsten Tage sagen viel Wind aus der falschen Richtung voraus. Also frühzeitig los und Richtung Middelfahrt. Der Wind dreht leider nicht wie angekündigt auf Nordwest und so kreuzen wir mühevoll gegen Südwest an. Der Wind und die Welle nehmen natürlich beständig zu. Wir werden geduscht, haben zum ersten Mal Deck zu Wasser. Den größten Teil der Strecke segeln wir bei 20-25 Knoten Wind. In Spitzen bis 32 Knoten. Da macht segeln irgendwann keinen Spass mehr. Zumindest nicht auf diesem Kurs. Es gibt kaum Alternativen und so kreuzen wir und kämpfen uns auch ein wenig nach Juelsminde durch. Gesegelte Strecke 35 sm in 8 Stunden. Danach erst einmal trocken legen. Glücklicherweise scheint die Sonne und es ist warm. Da ist der anstrengende Part recht schnell verdrängt. Vergessen ist er nie. Und bringt mich, Sandra, jedesmal ein Stückchen weiter. Ich lerne in solchen Situationen dazu und werde immer sicherer und entspannter. Kann mich voll auf meinen Skipper und das Boot verlassen. Der Sturmvogel ist ein seegängiges Schiff und vermittelt mir eine ungeheure Sicherheit. Die Bewegungen sind sanft, kein hektisches hin und herknallen, sondern sanfte Bewegungen. Sie taucht geschmeidig in die Wellen ein, legt sich ohne Hektik und richtet sich langsam wieder auf. Ich glaube ich kann noch viel von ihr lernen … hat sie doch schon so viel mehr erlebt mit ihren fast 100 Jahren.

Kursänderung Anholt

… spontan. Wir verlassen Lerkil am regnerischen Vormittag bei Wind aus West / Südwest und kreuzen auf. Wir hangeln uns entlang der Westküste südwärts, wollen mindestens nach Varberg, lieber Halmstad. Nach 3 Stunden sind wir immer noch nicht sehr weit: mit 4-6 Knoten Fahrt auf einer kappeligen Kreuz und die Regenwolken immer mit uns. Am Wind laufen wir gut, stecken ab wo wir bei Kurs 200 Grad landen: Anholt. Da wollten wir bei Start der Reise schon hin. Es ist 15 Uhr Nachmittag, Entfernung ca. 40sm, Wetter gut, Wind mässig, abnehmend. Dieselvorrat für den Fall der Fälle ist ausreichend vorhanden und so ist die Entscheidung schnell gefallen. Kurs Anholt. Das Verkehrstrennugsgebiet und die lange Einfahrt rund ums Flach bei Anholt verlängert die Fahrt etwas aber wir laufen gut, die letzten 10 sm schläft der Wind etwas ein und wir motoren. Pünktlich um Mitternacht und noch vor dem Gewitter finden wir einen Platz im gefüllten Hafen. Die Nacht ist kurz: wir kommen erst um 2 Uhr in den Schlaf und werden um 6 Uhr schon wieder geweckt. Das Nachbarboot legt ab und benötigt Hilfe. Wir sind nicht böse denn so kommen wir an die frischesten Brötchen und erleben ein nettes Hafenkino mit Fischern und Segelbooten, die den Hafen vor dem angekündigten frischen Wind rechtzeitig verlassen wollen. Nach einer dann doch noch kurzen Vormittagsruhe schauen wir uns erst einmal um und sind sofort angetan. Was für eine wunderschöne Insel. Lütt‘n hat sich in der Nacht schon direkt in sie verliebt: feinster Sandstrand, soweit das Auge reicht. Dünen, zum verstecken und grün an den Anhöhen. So der erste Eindruck vom Hafen aus. Am Hafen selber gibt es wenige, aber gute Einkehrmöglichkeiten: für den kleinen Hunger Imbisse und ein, zwei Restaurants und viele kleine Buden mit unterschiedlichsten Leckereien. Wir entdecken die besten Fischfrikadellen bei Frank. Unbedingt testen! Der Hafen hat einen grossen Grillplatz wo bei gutem Wetter ab 17:30 Uhr eingeheizt wird, denn: auf der gesamten Insel ist jegliches Feuermachen strengstens verboten. Zutaten für den Grillabend findet man im hervorragend sortierten Kaufmann. Wir bleiben. Wir beschliessen hier ein wenig “Urlaub vom Urlaub“ zu machen. Baden, spazieren gehen, Sandstrand geniessen … Das Wetter unterstützt diese Idee: es ist und bleibt die Tage über ordentlich windig und unser nächstes Ziel liegt ca. 50 sm entfernt. So warten wir gerne auf ein entsprechendes Wetterfenster. Anholt ist Dänemarks drittgrösste Insel (nach Grönland und Bornholm) und die vom Festland am weitesten abgelegende. Ein Spaziergang um die Insel ist 22 km lang und führt durch eine tolle Landschaft. Verlässt man den Sandstrand kann man durch Europas grösste zusammenhängende Flechtenheide spazieren. 90% der Insel stehen unter Naturschutz. Es gibt eine Fähre ab/bis Grenaa die nur einmal täglich fährt: das hat den Vorteil das Tagestouristen wegfallen. Es sind auschliesslich Übernachtungsgäste auf der Insel: das meiste sind sicherlich Segler aber es gibt auch einen kleinen Campingplatz an der Nordseite und wenige Ferienhäuser im Zentrum der Insel. Die Dünenlandschaft im Osten der Insel ist wunderschön. Im Westen der Insel erstreckt sich eine Hügelkette, bewachsen von dichten Wäldern. Hier haben wir schon einmal Wachholder gesammelt. Für unseren Urlaubs-Gin der nach der Reise angesetzt wird. Es gibt tolle Wanderpfade: hoch bis zum höchsten Punkt der Insel zum Sønderbjerg zum Beispiel. Immerhin 48 Meter und eine grandiose Aussicht garantiert. Natürlich lassen wir uns auch einmal die Delikatesse der Insel „Jomfruhummer“ schmecken. In Deutschland auch Kaisergranat oder Jungfrauenhummer genannt. Wir spazieren kilometerlang am unglaublich feinen Strand, baden, sammeln Steine, klönen mit anderen Seglern, essen Eis (hausgemacht an der kleinen Bude Richtung Campingplatz: sehr zu empfehlen die Sorte Apfel-Basilikum), lesen. „Urlaub vom Urlaub“ eben. Einwehen kann so schön sein. Wir waren mit Sicherheit nicht zum letzten Mal auf Anholt.

Langsam südwärts

… denn: es ist doch so schön hier in der Schärenwelt. Bevor wir Malmön verlassen verschlägt uns noch ein kurzer Besuch im Loppis = Flohmarkt. Wunderschön in einer alten Fischerhütte entdecken wir hier unsere Rum-Becher. Passend für unser Rumfass haben wir nun eine tolle und sinnvolle Erinnerung gefunden. Wieder einmal mit einem schönen Gespräch – überhaupt kommen wir überall schnell mit Einheimischen und Seglern ins Gespräch. Das mag oft am Sturmvogel und auch an Lütt‘n liegen. Klassische Boote sind tatsächlich kaum anzutreffen. Daher fallen wir in den Häfen schon auf. Bevor es weitergeht geht einer von uns tauchen: beim Abwasch ist unser Kaffeesieb über Bord gegangen. Sandra hat abgewaschen – Carsten taucht. Da passt heute die Aufteilung doch mal. Weiter geht´s: also weil es so schön ist drehen wir auch noch eine Runde um die Insel Orust. Ansässige Werften wie Halberg Rassy, Vindö oder Malö besuchen wir nicht – werfen nur einen Blick hinüber. Viel schöner ist die Landschaft die uns umgibt. Wunderschönstes Landschaftssegeln erwartet uns hier. Niedliche, kleine Häfen und wieder unzählige Ankerplätze – man könnte tagelang hier verweilen. Wir bleiben drei Tage: Ellös mit dem besten Bäcker (unbedingt Kanelbullar mit Zitrone testen!), Vindön – ein kleiner Hafen mit anliegendem Campingplatz und eine Nacht an einem grandiosen Ankerplatz an einer Schäre (Stora Dyrön). Auf dem Weg hierher konnten wir bei Flautesegeln einmal wieder zwei Makrelen angeln. Carsten hat Geschmack an Austern gefunden und so gab es zum zweiten Mal frischeste Austern zur Vorspeise. Am Abend werden wir noch von zwei schwimmenden Hirschen überrascht – leider war kein Fotoapparat zur Hand. Wir genossen gerade den Rotwein oben auf der Schäre als unterhalb von uns zwei Tiere die Schären wechselten. Einige Eindrücke bleiben eben nur in Erinnerung – was schön und gut ist. Am nächsten Tag segeln wir 30 sm nach Vrängö. Bestes Wetter und beste Bedingungen. Fast ein wenig viel Sonne. Unterwegs weichen wir einem Regattafeld aus. International ist hierunterwegs. Spannend anzusehen. Der Hafen von Vrängö ist klein, gemütlich, überschaubar. Wir treffen auf bekannte Gesichter. Wie klein die Welt doch ist. Es ist Donnerstag und es ist deutlich zu spüren das die Ferien der Schweden losgehen – es wird Zeit für uns … auf überfüllte Häfen haben wir keine Lust. Ein kleiner Spaziergang über die recht karge Insel, Räucherfisch einkaufen und weiter. Wir kommen nur 15 sm weit. Eine harte Kreuz und so entschliessen wir nach 3,5 Stunden den nächsten Hafen anzulaufen. Für die Nacht sind 6 bft vorhergesagt – da macht ankern nicht viel Spaß und der Bereich, dass wir uns hinter einer Schäre verstecken können, ist fast vorbei. So nehmen wir was es gibt: wir landen in Lerkil. Hier bereiten wir schon einmal alles für die Weiterfahrt vor. Ein Ort zum Bleiben ist es für uns nicht – nach einer grossen Hunderunde beschliessen wir am nächsten Morgen auf jeden Fall weiterzuziehen. Pünktlich am Abend kommt dann ordentlich Wind und Regen. So können wir endlich einmal wieder Fotos sortieren und berichten. Unter Deck ist es ja auch gemütlich – und warm ist es sowieso.