… keine Asphaltcowboys werden. Aber alles der Reihe nach.
Wir starten bei bestem Wetter in den Urlaub mit dem Sturmvogel. 3 lange Wochen wollen wir erst Nordsee dann Ostsee erkunden. Ziel? Wie immer bei Ebbe in den Sand geschrieben. Helgoland muss auf jeden Fall dabei sein. Wir packen das Boot, läuten den Urlaub mit dem Yachthafenfest in Wedel ein, treffen viele Freunde, feiern, klönen und machen uns klammheimlich vom Acker. Die Tide steht früh für uns: 02:30 Uhr klingelt der Wecker, kurze Hunderunde, Tee kochen und los geht´s. Auf nach Helgoland 😄


Die Fahrt nach Helgoland verläuft gut. Die Segel können wir leider erst hinter Cuxhaven setzen. Vorher fast Flaute und wir müssen natürlich den Tidenstrom berücksichtigen. Trödeln nicht erlaubt. Draußen dann kräftiger Wind aus Ost/Südost der uns unter Vorsegel schnell zur Lieblingsinsel zieht. Eine ordentliche Welle ist natürlich dabei. Aber alles in Allem können wir uns nicht beschweren: 60 sm in 10 Stunden und wir kommen bei Sonnenschein in einem fast leeren Südhafen an.

Die Nacht ist extrem rollig. Eine unangenehme Welle steht im Hafen und macht das leben und schlafen an Bord ungemütlich.
Am nächsten Morgen dann die böse Überraschung. Beim einrollen der Genua vor dem Einlaufen in den Hafen hatten wir Schwierigkeiten. Heute früh wollen wir die Genua erneut ausrollen um uns das Problem anzuschauen. Dabei fällt von Oben ein Stück aus der Rollanlage und Sekunden später folgt unangemeldet auch schon das Segel.



Was wir erkennen können: das Aluprofil der Rollanlage ist aufgerissen. Näheres können wir leider noch nicht erkennen. In den Mast zu gehen ist bei der rollenden See nicht möglich. Wie unser Vorstag aussieht können wir auch nicht sehen. Wir sichern zusätzlich mit dem Spinnakerfall, wollen kein Risiko eingehen. Am nächsten Tag ist das Wetterfester gut und wir verholen uns erst einmal wieder zurück in die Elbe, nach Cuxhaven.
Trotzdem nutzen wir das schöne, sonnige Wetter und genießen den restlichen Tag, trotz des Schreckens. Überlegungen laufen: was machen wir mit dem restlichen Urlaub …




Der typische Helgoländer Eiergrog darf natürlich auch nicht fehlen.

Nach Cuxhaven (mit Abstecher zum portugiesischen Restaurant „O Cantinho“) geht es nach Brunsbüttel – Heimatbesuch und dann weiter nach Wedel. Das hat glücklicherweise alles schon mal gut geklappt und die Versicherung ist auch schon informiert.




Da wir mit dem Boot nach dieser Reise in den geplanten Refit gehen, entscheiden wir keine HauRuck Aktion zu starten um das Vorstag zu sichten, Rollanlage zu reparieren usw. Wir beenden damit leider etwas unschön unsere Segelsaison, sind aber dankbar für die tolle Zeit 2025 an Bord und auch froh, dass letzendlich nicht mehr passiert ist.
Wir entscheiden kurzerhand noch ein paar Tage mit dem Bulli nach Dänemark zu fahren. Vorräte sind schnell umgepackt, Bulli gesäubert und auf geht die Reise. Erst zum Eiderspeerwerk, dann nach Rømø, nach Hvide Sande und nach Thorsminde. Ziel ist Agger Strand zum Knieper essen, dann weiter gen Norden.
Ich bin ehrlich: die Fischbrötchen am Eiderspeerwerk haben uns schon besser geschmeckt, Rømø hat uns richtig gut gefallen aber: 50€ für eine Nacht ist heuer teuer aber viel schlimmer: wir kommen nicht zur Ruhe. Wissen nicht was wir hier sollen. Von A nach B fahren ist nichts für uns. Es fehlt der Ausgleich. Beim Segeln bin ich mit allen Sinnen gefordert. Manchmal mehr, manchmal weniger. Aber ich bin immer aktiv und wenn ich am neuen Ort ankomme, glücklich. Ausgeglichen. Motorisiert den Asphalt entlang rasen macht uns nicht glücklich. Es zieht uns zu den Häfen. Schiffe gucken, Gespräche mit Seglern … Hier stehen bleiben? Nicht erwünscht. Die Vorstellung mit dem Bulli raus in die Natur, Tür auf, in die Dünen springen, alleine sein: Fehlanzeige. Statt dessen: militärische Ordnung auf Stellplätzen. Wir fahren weiter gen Norden. Thorsminde. Stellplatz für 22€. Ok. Aber nutzen der Abwaschräume und Küche: nein. Auf romantischem Stellplatz vor der Schranke, asphaltiert, mit Aussicht auf die Mülltonnen. Was machen wir hier? Der nächste Morgen ist sonnig, warm. Wir wollen angeln. Das ist toll in Thorsminde. Wir fangen leider nichts, das ist aber nicht schlimm. Wir konnten Schiffe gucken, hatten frische Luft und leckeres Bier von Bornholm. Geht doch. Weiter geht es nach Thyborøn. Wieder die Frage: wo können wir denn heute Nacht stehen? Einfach am Hafen ist deutlich zu erkennen: nicht erwünscht und auch nicht mal möglich. Neidvoll gucken wir auf die Segler im Hafen, klönen mit dem Eigner der Swan 48 „Vellamo“ und lassen uns nicht unterkriegen. Auf zum Stellplatz. Hin und weg: im wahrsten Sinn. Wir fahren weiter. Hier, im Nirvana, wieder Asphalt vor der Schranke, oder eingepfercht in der Parzelle. Nicht unsere Welt. Wir fahren zur Fähre um weiter nach Agger zu kommen. Letztes Jahr haben wir dort einfach mal in den Dünen einen tollen Stellplatz gefunden. Natürlich unerlaubt. Das machen wir und morgen früh geht’s dann zum Fischer in Agger und wir bekommen endlich die Knieper 😊
Auf zur Fähre, noch 35 Minuten bis zur Abfahrt, es fängt an zu tröpfeln. Wir schauen uns an: Streichhölzer ziehen? Brauchen wir nicht. Fahrzeit 4 Stunden, wir wären wieder zu Hause. Ist Knieper essen wirklich so wichtig? Nein. Definitiv nicht. Zu Hause ist es auch schön, und da warten zwei Boote und überhaupt. Wir können auch einfach auf dem Sturmvogel übernachten und damit noch mal auf die Elbe motoren … ach. Wir haben’s gut und wissen: campen dieser Art ist nichts (mehr) für uns.
Nun haben wir noch eine Woche. Mal sehen was uns einfällt 😅


