… spontan. Wir verlassen Lerkil am regnerischen Vormittag bei Wind aus West / Südwest und kreuzen auf. Wir hangeln uns entlang der Westküste südwärts, wollen mindestens nach Varberg, lieber Halmstad. Nach 3 Stunden sind wir immer noch nicht sehr weit: mit 4-6 Knoten Fahrt auf einer kappeligen Kreuz und die Regenwolken immer mit uns. Am Wind laufen wir gut, stecken ab wo wir bei Kurs 200 Grad landen: Anholt. Da wollten wir bei Start der Reise schon hin. Es ist 15 Uhr Nachmittag, Entfernung ca. 40sm, Wetter gut, Wind mässig, abnehmend. Dieselvorrat für den Fall der Fälle ist ausreichend vorhanden und so ist die Entscheidung schnell gefallen. Kurs Anholt. Das Verkehrstrennugsgebiet und die lange Einfahrt rund ums Flach bei Anholt verlängert die Fahrt etwas aber wir laufen gut, die letzten 10 sm schläft der Wind etwas ein und wir motoren. Pünktlich um Mitternacht und noch vor dem Gewitter finden wir einen Platz im gefüllten Hafen. Die Nacht ist kurz: wir kommen erst um 2 Uhr in den Schlaf und werden um 6 Uhr schon wieder geweckt. Das Nachbarboot legt ab und benötigt Hilfe. Wir sind nicht böse denn so kommen wir an die frischesten Brötchen und erleben ein nettes Hafenkino mit Fischern und Segelbooten, die den Hafen vor dem angekündigten frischen Wind rechtzeitig verlassen wollen. Nach einer dann doch noch kurzen Vormittagsruhe schauen wir uns erst einmal um und sind sofort angetan. Was für eine wunderschöne Insel. Lütt‘n hat sich in der Nacht schon direkt in sie verliebt: feinster Sandstrand, soweit das Auge reicht. Dünen, zum verstecken und grün an den Anhöhen. So der erste Eindruck vom Hafen aus. Am Hafen selber gibt es wenige, aber gute Einkehrmöglichkeiten: für den kleinen Hunger Imbisse und ein, zwei Restaurants und viele kleine Buden mit unterschiedlichsten Leckereien. Wir entdecken die besten Fischfrikadellen bei Frank. Unbedingt testen! Der Hafen hat einen grossen Grillplatz wo bei gutem Wetter ab 17:30 Uhr eingeheizt wird, denn: auf der gesamten Insel ist jegliches Feuermachen strengstens verboten. Zutaten für den Grillabend findet man im hervorragend sortierten Kaufmann. Wir bleiben. Wir beschliessen hier ein wenig “Urlaub vom Urlaub“ zu machen. Baden, spazieren gehen, Sandstrand geniessen … Das Wetter unterstützt diese Idee: es ist und bleibt die Tage über ordentlich windig und unser nächstes Ziel liegt ca. 50 sm entfernt. So warten wir gerne auf ein entsprechendes Wetterfenster. Anholt ist Dänemarks drittgrösste Insel (nach Grönland und Bornholm) und die vom Festland am weitesten abgelegende. Ein Spaziergang um die Insel ist 22 km lang und führt durch eine tolle Landschaft. Verlässt man den Sandstrand kann man durch Europas grösste zusammenhängende Flechtenheide spazieren. 90% der Insel stehen unter Naturschutz. Es gibt eine Fähre ab/bis Grenaa die nur einmal täglich fährt: das hat den Vorteil das Tagestouristen wegfallen. Es sind auschliesslich Übernachtungsgäste auf der Insel: das meiste sind sicherlich Segler aber es gibt auch einen kleinen Campingplatz an der Nordseite und wenige Ferienhäuser im Zentrum der Insel. Die Dünenlandschaft im Osten der Insel ist wunderschön. Im Westen der Insel erstreckt sich eine Hügelkette, bewachsen von dichten Wäldern. Hier haben wir schon einmal Wachholder gesammelt. Für unseren Urlaubs-Gin der nach der Reise angesetzt wird. Es gibt tolle Wanderpfade: hoch bis zum höchsten Punkt der Insel zum Sønderbjerg zum Beispiel. Immerhin 48 Meter und eine grandiose Aussicht garantiert. Natürlich lassen wir uns auch einmal die Delikatesse der Insel „Jomfruhummer“ schmecken. In Deutschland auch Kaisergranat oder Jungfrauenhummer genannt. Wir spazieren kilometerlang am unglaublich feinen Strand, baden, sammeln Steine, klönen mit anderen Seglern, essen Eis (hausgemacht an der kleinen Bude Richtung Campingplatz: sehr zu empfehlen die Sorte Apfel-Basilikum), lesen. „Urlaub vom Urlaub“ eben. Einwehen kann so schön sein. Wir waren mit Sicherheit nicht zum letzten Mal auf Anholt.


















Es ist immer wieder schön euren Reisebericht zu lesen. Da kommt richtig Fernweh auf. Weiter so 👍 L. G. ARNO
So Einweihen und Urlaub vom Urlaub… Ich könnte neidisch werden, wenn ich es. Ich schon wäre. Genießt es!!!