… und die Reise geht weiter südwärts. Wir verlassen Anholt natürlich nicht ohne den eigens auf Anholt produzierten Gin zu probieren und auch nicht ohne einen Sundowner am letzten Abend in der Orakel-Bar zu geniessen. Beides können wir empfehlen. Sicher, am Strand zu sitzen und die Sonne untergehen zu sehen geht auch einige Meter abseits hervorragend. Allerdings sollte man sich die Atmosphäre in der Bar auf jeden Fall einmal gönnen.
Wir starten auf Anholt am späteren Vormittag und segeln die 52 sm in die Ebeltoft Vig wo wir vor Mols Bjerge für 2 Nächte ankern. Anfangs begleitet uns noch eine ordentliche Welle, wir kommen aber bei durchschnittlichen 10 Knoten Wind und viel Sonne gut voran. So macht segeln Spass. Wir geniessen absolute Ruhe auf unserem Ankerplatz. Herrlich nach einer Woche Dauerwind im Hafen. Wir baden, leider nicht ganz unbefangen. Die gesamte Reise über begleiten uns in diesem Jahr extrem viele Feuerquallen. So geht immer einer nach dem anderen schwimmen. Einer hält immer Ausschau nach den bösen “Gelben Haarquallen“. Sie sind wunderschön aber eine Berührung mit den Tentakeln (welche bis zu 30m! lang werden können) möchten wir doch vermeiden.
Weiter gehtˋs südwärts: wir haben zwar noch ausreichend Zeit aber auch die Rückreise gehört bei uns zur kleinen Auszeit dazu und so segeln wir 42 sm weiter zur Insel Samsø. Vom Hafen Kolby Käs wurde uns abgeraten, wir steuern diesen aus praktischen Gründen dennoch an und sind sehr zufrieden. Sicherlich nicht der schönste Ort aber er bietet uns alles was wir benötigen. Es gibt sogar eine Brotkiste, einen Gemüsestand und frische Erdbeeren. Wer länger bleiben möchte kann sich hier sogar ein Auto ausleihen oder ergattert eines von den vorhandenen Fahrrädern. Es ist auf jeden Fall ein sehr ruhiger Platz ohne viel Trubel. Beim ersten Landgang stossen wir am verlassen Parkplatz (ehemaliger Fähranleger) auf einen kleinen Food-Truck. Wir freuen uns schon auf einfache Pommes nach der langen Fahrt und werden überrascht: keine Imbiss-Bude! Hier, am verlassenen Ort steht ein kleiner “Gourmet“ Wagen. Es gibt 4 Gerichte zur Auswahl inklusiver kleiner Weinauswahl. Kurzentschlossen bestellen wir uns Krabbekløer – Knieper. Das sind die Scheren des Taschenkrebses. Unglaublich lecker, mit frischem Brot, Salat und Aioli geniessen wir. Und das nicht alleine: es hat sich anscheinend herumgesprochen das es hier solche Delikatessen gibt. So sitzen wir zwischen Dänen, welche sich hübsch aufgemacht auf diesen Parkplatz treffen, um auf einfachen Holzbänken sitzend einen schönen Abend zu haben. Alleine das wäre uns die Reise hierher wert. Am Abend hatten wir leider keinen Fotoapparat dabei – am nächsten Morgen haben wir es aber noch einmal festgehalten.
Die Vorhersagen für die nächsten Tage sagen viel Wind aus der falschen Richtung voraus. Also frühzeitig los und Richtung Middelfahrt. Der Wind dreht leider nicht wie angekündigt auf Nordwest und so kreuzen wir mühevoll gegen Südwest an. Der Wind und die Welle nehmen natürlich beständig zu. Wir werden geduscht, haben zum ersten Mal Deck zu Wasser. Den größten Teil der Strecke segeln wir bei 20-25 Knoten Wind. In Spitzen bis 32 Knoten. Da macht segeln irgendwann keinen Spass mehr. Zumindest nicht auf diesem Kurs. Es gibt kaum Alternativen und so kreuzen wir und kämpfen uns auch ein wenig nach Juelsminde durch. Gesegelte Strecke 35 sm in 8 Stunden. Danach erst einmal trocken legen. Glücklicherweise scheint die Sonne und es ist warm. Da ist der anstrengende Part recht schnell verdrängt. Vergessen ist er nie. Und bringt mich, Sandra, jedesmal ein Stückchen weiter. Ich lerne in solchen Situationen dazu und werde immer sicherer und entspannter. Kann mich voll auf meinen Skipper und das Boot verlassen. Der Sturmvogel ist ein seegängiges Schiff und vermittelt mir eine ungeheure Sicherheit. Die Bewegungen sind sanft, kein hektisches hin und herknallen, sondern sanfte Bewegungen. Sie taucht geschmeidig in die Wellen ein, legt sich ohne Hektik und richtet sich langsam wieder auf. Ich glaube ich kann noch viel von ihr lernen … hat sie doch schon so viel mehr erlebt mit ihren fast 100 Jahren.













